PRIMAVERA AKADEMIE Impressionen:

09.09.2016 - 08:39 Uhr:

Eindrucksvoller Reisebericht der PRIMAVERA Duft- & Studienreise
in die Türkei 2012

Rosenfeld

Die Türkei ist der weltweit größte Hersteller von Rosenöl. Seit einigen Jahren erlebt das Rosenöl seine Renaissance. Neben dem konventionellen Anbau wird auch Öl aus Bio-Rosen gewonnen. Duftende Einblicke und Mitarbeit bei der Rosenernte vor Ort.

Unser Bus schlängelt sich langsam die serpentinenartigen Kurven in das Hinterland des Taurusgebirges hinauf. Wir, eine kleine Reisegruppe aus 16 Rosenanbeterinnen, fiebern unserem Ziel entgegen: Einmal die Rosenblüte türkischer Rosengärten erleben, den Bauern bei der Ernte helfen und gemeinsam das kostbare Rosenöl gewinnen.

Das Wetter ist traumhaft! Der blaue Himmel und die Sonne thronen über einem riesigen Meer weitläufiger Berge, die abwechselnd mit grünem Wald und saftigen Wiesen bedeckt sind. Auf den Weiden leuchten hier und da die bunten Zelte der Ziegenhirten und verleihen der Landschaft eine kindliche Leichtigkeit.

In unserem Bus staut sich langsam die Wärme. Anusati, unsere quirlige energiegeladene Reiseleiterin, erlöst uns und reicht eine Flasche Rosenwasser. Der leicht rosige Duft gepaart mit dem erfrischenden Nass ist ein sanfter Muntermacher. Sie informiert uns, dass wir Glück haben mit dem guten Wetter. “Dieses Frühjahr ist das Regenreichste seit 20 Jahren in der Türkei. Bis vor ein paar Jahren konnten wir uns immer auf den Erntezeitpunkt der Rose von Ende Mai bis Ende Juni verlassen, aber mit dem Klimawandel verschieben sich zunehmend die Ernten.“ erklärt Anusati und etwas entschuldigend fügt sie hinzu, dass wir nicht die Blütenpracht, wie sonst üblich zu dieser Zeit, erleben werden.

Die ersten Rosen und Baden in einem Meer von Rosenblüten

Zum Glück haben wir keine Zeit uns zu sorgen. Wir erreichen eine weitläufige Hochebene und erkennen, eingesäumt von Mohnfeldern und Granatapfelbäumen, unseren ersten Rosengarten. Sie blühen, die pinkfarben Damaszener Rosen. Unsere Freude ist so groß, dass wir unseren Busfahrer bitten, sofort anzuhalten. Der Bauer, der gerade von seinem Rosenfeld kommend sein Haus ansteuert, hält inne und schaut uns, aus dem Bus stürmenden Frauen, verwundert entgegen. Halil, unser Übersetzer, kommt uns zuvor und bittet den Bauern höflich, ob wir seinen Rosengarten betreten dürfen. Amüsiert willigt er ein und erlaubt uns sogar, seine Rosen zu pflücken.

Tief beeindruckt halte ich sie in meiner Hand, die erste Damaszener Rose. Meine Nasenspitze berührt ihre Blüte und wird von einem warmen blumigen Duft durchströmt. Ihre weichen Blätter schmiegen sich sanft an mein Gesicht. Ein altes Sprichwort sagt: „Nichts dringt tiefer in den Körper als ein Duft, er geht tiefer als jedes Wort oder jedes Bild.“ Zum tiefgründigen Wohlgeruch gesellt sich das leuchtende Pink der Blüte und verbreitet eine ansteckende Lebensfreude.

Bis zu 250 Rosenarten existieren auf der Welt, aber nur 30 davon sind klassische Duftrosen, aus denen das wertvolle Rosenöl gewonnen werden kann. Die Damaszener Rose weißt den höchsten Ertrag an Öl auf. Aus Bulgarien schmuggelte 1894 ein eingewanderter Rosenbauer die ersten Rosen über die türkische Grenze. Damals war Rosenöl an den Höfen Europas sehr gefragt und der Rosenanbau versprach lukrative Geschäfte. Besonders in Westanatolien, in der Nähe der Rosenstadt Isparta, prosperierte die Kultivierung der Rose und hat sich bis heute erhalten.

Vitalisiert von den Düften setzen wir unsere Reise fort. Nach weiteren Rosengärten, die an uns im Bus vorbeiziehen, gewöhnen wir uns langsam an die exotisch farbenfrohen Felder, die einen interessanten Kontrast bilden, zu den am Horizont sich säumenden Schneekuppen des anatolischen Hochgebirges. Kurz vor Isparta besichtigen wir eine staatliche Rosenölfabrik. Hinter der ersten Tür erwartet uns etwas Unglaubliches. Ein großer Raum dessen Boden mit tausenden von Rosenblüten bedeckt ist. Wir können es kaum fassen, der Anblick, dieser lawinenartige Rosenduft, der uns überwältigt und in ein Meer von Rosen versinken lässt. Ausgelassen schwelgen wir in den Blüten, lauschen den Rosenweisheiten Anusatis und sind einfach nur glücklich.

Im frischen Morgentau genüsslich Rosen ernten

„Schnell noch einen Schluck heißen Tee trinken und Energie tanken“, murmel ich verschlafen. Draußen entfacht langsam die Morgendämmerung ihr heller werdendes Licht. Der Muezzin ruft über den Dächern von Isparta zum Gebet. Es ist 04:30 Uhr, wir starten zur ersten Rosenernte. Unsere Bauern kultivieren ihre Rosengärten nördlich von Isparta am Ende der Hochgebirgstäler auf 1.800 Metern Höhe. Für den biologischen Anbau nutzen sie den natürlichen Schutz der Täler. In der Nacht, zur Abwehr gegen die Kälte, produziert die Rose reichlich Öl. Daher ist der beste Erntezeitpunkt für die höchste Öl-Ausbeute zwischen 04:00 und 10:00 Uhr am Morgen.

Wir sind da! Freudig reichen uns die Bauern ein Döschen Rosenbalsam zur Begrüßung. Unsere Bauern sind offensichtlich sehr geschmeichelt, dass wir mit ihnen ernten möchten. Und dann beginnt alles ganz schnell. Mit Erntesäcken ausstaffiert werden wir alle auf einen Traktor gepackt und von Rosengarten zu Rosengarten chauffiert.

Die Rosenstöcke stehen aufgrund des verregneten Frühjahres nicht komplett in voller Blütenpracht, nur vereinzelt sind die ersten Rosen erwacht. Wir machen das Beste daraus und inhalieren von jeder selbst gepflückten Rose den Duft. Beim gemütlichen Ernten erfahren wir einige Bauernweisheiten. Der Rosenanbau ist Frauensache. Hierzu setzen sie sich auf den Boden, um die Erdwärme mit ihrem Po zu erspüren. Fühlt sich die Temperatur richtig an, wird gepflanzt. Zwischen den Rosenstockreihen säen sie Knoblauch, ein natürliches Mittel gegen Schädlinge.

Nach 7 Rosengärten machen wir uns auf den Weg zu Nuri Kalay, dem Besitzer der Rosendestillationsanlage am Eingang des Dorfes. Nuri ist ein Pionier, da er vor 20 Jahren den biologischen Rosenanbau in der Türkei eingeführt hat. Er und seine Frau Pempegül begrüßen uns mit einem üppigen Frühstück, dessen Highlight die selbstgemachte Rosenblüten-Marmelade ist.

Gestärkt laden wir mit Nuri unsere Blüten in einen großen Wasserkessel. Rosenöl wird durch Wasserdampfdestillation aus den Blüten gewonnen. Das Wasser wird zum Kochen gebracht, der Wasserdampf öffnet die Öldrüsen in den Blättern und trägt das Öl nach oben. Von dort wird es in einen Auffangbehälter geleitet. Der Destillationsvorgang dauert 2 Stunden. In dieser Zeit unterrichtet uns Nuri mit interessanten Fakten: „ Für einen Liter Rosenöl benötigen wir 5.000 Kilogramm Rosenblüten.“ Lobend erwähnt er: „Bereits in der Antike schätzten die Ärzte das Rosenöl als vielseitiges Heilmittel. Heute entdeckt die Pharmazie die heilende Wirkung wieder, weshalb seit einigen Jahren die Preise für das Öl steigen.“

Während wir Nuri gebannt zu hören, strömen die ersten Rosendüfte des frisch gewonnen Öls um unsere Nasen. Über offenem Feuer kochen die Bauern für uns das Mittagessen. Die Düfte, die Gewürze und die herzlichen Gespräche rund um das wärmende Feuer, machen diesen Tag zu einem einzigartigen Erlebnis.

von Carolin Hössel

Duft- & Studienreise ins Rosenland Türkei vom 25.-31.05.2017

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